Schweinekopf-Vorwurf und Boykottpropaganda bei Jahresausstellung
Bei der Jahresausstellung der Burg Giebichenstein am 12. und 13. Juli 2025 wurde ein studentisches Relief zusammen mit einer großen Palästinaflagge präsentiert. Kritiker erkannten in der abstrakten Form einen Schweinekopf und damit eine Anlehnung an jahrhundertealte judenfeindliche Bildsprache. Zusätzlich wurden Flugblätter mit Genozidvorwürfen und Boykottforderungen gegen Israel verteilt. Bei der Eröffnung trugen mehrere Models Kufiyas.
Ort: Halle (Saale), Sachsen-Anhalt · Datum: 12.07.2026
Kontext: Schule oder Campus
Das Bündnis gegen Antisemitismus Halle erklärte, die Verbindung aus einer übergroßen Palästinaflagge und einer an einen Schweinekopf erinnernden Form greife klassische antisemitische Bildmuster auf. Der Landesverband Jüdischer Gemeinden Sachsen-Anhalt schloss sich der Kritik an und betonte, antisemitische Symbolik werde nicht dadurch unbedenklich, dass sie als Kunst präsentiert werde.
Die Hochschule wies die Interpretation des Reliefs zunächst entschieden zurück. Bei der Form handele es sich um ein abstraktes Ergebnis eines plastischen Arbeitsprozesses. Der Künstler habe weder einen Schweinekopf noch eine politische oder antisemitische Aussage beabsichtigt. Das Relief sei bereits im Frühjahr 2023, also vor dem Massaker der Hamas vom 7. Oktober und vor Beginn des anschließenden Krieges, entstanden.
Die farbliche Überarbeitung und die Verbindung mit der Palästinaflagge kamen nach Darstellung der Hochschule später hinzu. Damit habe der Künstler seine Anteilnahme mit der Zivilbevölkerung im Gazastreifen ausdrücken wollen. Die Hochschule erklärte außerdem, sie bewerte die von Studierenden bei einer Modenschau getragene Kleidung nicht.
Auf der Jahresausstellung wurden außerdem Flugblätter verbreitet, die Israel einen Völkermord vorwarfen und Boykottforderungen unterstützten. Nach Kritik jüdischer Organisationen kündigte die Hochschule schließlich die Einrichtung eines unabhängigen Ethikrates an. Dieser sollte Empfehlungen für den Umgang mit Kunstfreiheit, Diskriminierung und öffentlicher Kritik entwickeln.