Sonstiger Vorfall

Habitat-Festival hält trotz Kritik an Auftritt von Sama’ Abdulhadi fest

Das Hamburger Habitat-Festival ließ Sama’ Abdulhadi trotz monatelanger Kritik und einer Absageforderung der Antisemitismusbeauftragten auftreten. Die DJ hatte das Hamas-Massaker als „palästinensischen Widerstand“ dargestellt.

Ort: Hamburg · Datum: 18.07.2026

Kontext: Kultur oder Medien

Das Hamburger Habitat-Festival ließ die palästinensische Techno-DJ Sama’ Abdulhadi in der Nacht vom 18. auf den 19. Juli 2026 auftreten. Der Auftritt fand statt, obwohl ihre früheren Äußerungen über das Hamas-Massaker vom 7. Oktober 2023 seit Monaten öffentlich kritisiert worden waren.

Abdulhadi hatte am ersten Jahrestag des Massakers auf Instagram über den „palästinensischen Widerstand“ geschrieben und dabei die Bezeichnung „Toufan al-Aqsa“ verwendet. Unter diesem Namen führte die Hamas ihren Angriff auf den Süden Israels, bei dem etwa 1.200 Menschen ermordet und mehr als 250 Menschen als Geiseln verschleppt wurden.

Sie stellte den Angriff als Reaktion auf die israelische Besatzung dar, durch welche die Aufmerksamkeit der Welt wieder auf die Lage der Palästinenser gelenkt worden sei. Dadurch übernahm sie die Bezeichnung und die Rechtfertigungserzählung der Hamas für das Massaker.

Der Antisemitismusbeauftragte der Bundesregierung, Felix Klein, hatte den angekündigten Hamburger Auftritt bereits Monate zuvor kritisiert. Er warf Abdulhadi vor, das Massaker als legitimen palästinensischen Widerstand einzuordnen und ein antisemitisches Weltbild zu vermitteln.

Kurz vor dem Festival verlangte auch Hamburgs Antisemitismusbeauftragte Anna von Villiez die Absage. Sie bezeichnete den Auftritt als nicht hinnehmbar und erinnerte daran, dass die Hamas am 7. Oktober 2023 auch ein Musikfestival angriff, Besucher ermordete, vergewaltigte und verschleppte.

Die Veranstalter hielten dennoch an Abdulhadi fest. Sie erklärten, ihr Auftritt sei Teil einer vielfältigen, offenen Kultur- und Musiklandschaft. Zugleich versicherten sie, Antisemitismus habe auf dem Festival keinen Platz.

Nach dem Auftritt wurden innerhalb der elektronischen Musikszene Forderungen nach einem Boykott des Festivals und nach Konsequenzen für die Veranstalter laut.

Warum ist der Vorgang relevant?

Der bloße Auftritt einer palästinensischen Künstlerin ist selbstverständlich kein antisemitischer Vorfall. Auch Kritik an Israel oder Solidarität mit Palästinensern rechtfertigen keine Aufnahme in eine Antisemitismuschronik.

Entscheidend sind Abdulhadis dokumentierte Aussagen zum 7. Oktober. Sie bezeichnete den Terrorangriff mit dem Kampfbegriff der Hamas und ordnete ihn dem „palästinensischen Widerstand“ zu. Damit wurde ein Massaker an überwiegend jüdischen Zivilisten nicht klar verurteilt, sondern politisch gerechtfertigt und in eine Befreiungserzählung eingeordnet.

Das Festival war lange vor dem Auftritt über diese Aussagen informiert. Die Verantwortlichen erhielten öffentliche Warnungen und eine ausdrückliche Absageforderung der zuständigen Hamburger Antisemitismusbeauftragten. Dennoch entschieden sie sich für die Durchführung.

Der Hate-Pins-Eintrag darf daraus allerdings nicht ableiten, dass das Festival selbst die Hamas unterstützt oder Abdulhadi Mitglied beziehungsweise organisatorische Unterstützerin der Terrororganisation ist. Dafür gibt es keine belastbaren Belege. Dokumentiert wird die bewusste Entscheidung, einer Künstlerin trotz ihrer Verklärung des 7. Oktober eine Bühne zu geben.