Antisemitische Äußerung oder Propaganda

Boykottaufruf gegen israelische Hochschulen bei Jahresausstellung

Bei der Jahresausstellung der Burg Giebichenstein am 18. Juli 2026 wurden auf dem Hochschulgelände anonyme Flugblätter mit dem Titel „End the Complicity“ ausgelegt. Die Verfasser verlangten einen akademischen Boykott israelischer Hochschulen und warfen Israel einen Völkermord vor. Die Hochschulleitung bestätigte die Verteilung, wies Ton und Inhalt zurück und erklärte, ihr seien keine gesicherten Erkenntnisse über die Urheber bekannt.

Ort: Halle (Saale), Sachsen-Anhalt · Datum: 18.07.2026

Kontext: Schule oder Campus

Nach der Dokumentation des Bündnisses gegen Antisemitismus Halle beschuldigte das Flugblatt die Burg Giebichenstein, durch ihren Umgang mit dem Krieg im Gazastreifen und mit israelfeindlichen Protesten an angeblichen Verbrechen beteiligt zu sein. Israelische Hochschulen wurden dabei nicht wegen einzelner nachgewiesener Handlungen kritisiert. Stattdessen richtete sich die Forderung gegen den akademischen Austausch mit Einrichtungen eines ganzen Landes.

Zusätzlich wurde der Vorwurf des Antisemitismus im Flugblatt als politisches Mittel dargestellt, mit dem Kritik an Israel verhindert werden solle. Eine solche pauschale Abwehr erschwert die notwendige Unterscheidung zwischen legitimer Kritik an Entscheidungen einer israelischen Regierung und Angriffen auf das Existenzrecht Israels oder auf jüdische Einrichtungen.

Das Bündnis gegen Antisemitismus ordnete den Vorgang in eine längere Reihe israelfeindlicher und antisemitisch bewerteter Vorfälle an der Hochschule ein. Erst seit dem 30. April 2026 waren auf dem Campus wiederholt anonyme Aushänge aufgetaucht, die unmittelbar zum Boykott der Jüdischen Gemeinde Halle aufriefen. Dieser April-Vorfall ist bereits als eigener Hatepin erfasst und wird mit dem vorliegenden Eintrag nicht vermischt.

Reaktion der Hochschule

Die Hochschulleitung bestätigte, dass die Flugblätter am ersten Tag der Jahresausstellung an mehreren Stellen ausgelegt worden waren. Sie erklärte, die anonyme Form habe ein unmittelbares Gespräch mit den Verfassern verhindert. Ton und Inhalt des Schreibens würden zurückgewiesen.

Anders als bei den Aushängen gegen die Jüdische Gemeinde vom April bezeichnete die Hochschule die Flugblätter der Jahresausstellung in ihrer Stellungnahme jedoch nicht ausdrücklich als eindeutig antisemitisch. Sie erklärte allgemein, jeder Form von Antisemitismus weiterhin entschieden entgegenzutreten.

Die Hochschule verwies darauf, dass eine vollständige Kontrolle sämtlicher Flächen während einer öffentlich zugänglichen Jahresausstellung kaum möglich sei. An allen Standorten habe ein Konzept mit festen Anlauf- und Meldewegen bestanden. Die Gespräche über Antisemitismus, Diskriminierung und gesellschaftliche Konflikte sollten fortgesetzt werden.

Wichtige Einordnung:
Die Urheber der Flugblätter sind nicht bekannt. Deshalb darf die Aktion weder einzelnen Studierenden noch einer bestimmten Hochschulgruppe zugeschrieben werden. Ebenso ist nicht belegt, dass die Hochschulleitung die Verteilung genehmigte oder unterstützte.

Der Eintrag dokumentiert den anonymen akademischen Boykottaufruf und die darin enthaltenen Aussagen. Er behauptet nicht, jede Forderung nach dem Abbruch einer bestimmten Hochschulkooperation sei automatisch antisemitisch. Problematisch ist hier die pauschale Ausgrenzung israelischer Einrichtungen, verbunden mit der Behauptung, Antisemitismusvorwürfe dienten lediglich als Schutzschild Israels.